Von Rosen keine Rede! - Internationaler Frauentag 
Brot und Rosen - Jedes Jahr demonstrieren am 8.März, dem Internationalen Frauentag, weltweit Frauen für ihre Rechte. Der Ursprung dieses Kampftages geht auf die proletarische Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Der 8. März hat somit eine lange Tradition, und diese Tradition lebt.
Der utopische Sozialist Saint-Simon prägte einst den Satz "Der Grad der weiblichen Emanzipation ist das natürliche Mass der allgemeinen Emanzipation". Die Emanzipation der gesamten Menschheit ist seit jeher das Ziel von SozialistInnen. Unter Emanzipation versteht man weit mehr als nur Gleichberechtigung und die Erringung einzelner Rechte und Freiheiten. Es bedeutet die prinzipielle Gleichstellung aller Menschen, die Befreiung von jeder Ausbeutung und Unterdrückung durch einen Akt der Selbstbefreiung.
Schon in den bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts kämpften Frauen an vorderster Stelle. In diesen revolutionären Prozessen und viel mehr noch danach traten die Gegensätze unter den RevolutionärInnen zutage, die sich auch in den Forderungen der Frauen widerspiegelten: Während die Frauen aus dem Bürgertum im Kampf um ihre Rechte die gesellschaftlichen Besitzverhältnisse nicht in Frage stellten, wurden sich die durch Hausarbeit und Lohnarbeit doppelt unterdrückten proletarischen Frauen bewusst, dass sie prinzipiell nur durch einen gemeinsamen Kampf mit den männlichen Arbeitern ihre Forderungen durchsetzen können. Klassensolidarität wog meist schwerer als eine "Schwesternschaft des weiblichen Geschlechtes", auch wenn es teilweise gemeinsame Forderungen wie die nach dem Frauenwahlrecht gab.
Das Erstarken der ArbeiterInnenbewegung im 19. Jahrhunderts bedeutete nicht, dass Frauen von Anfang an selbstverständlich Seite an Seite mit ihren männlichen Kollegen kämpfen konnten. Vielmehr mussten und müssen die Sozialistinnen auch innerhalb der Arbeiterparteien und Gewerkschaften darum auftreten, damit die "Frauenfrage, ernst genommen wurde und wird. Einen wichtigen Beitrag dazu lieferte die proletarische Frauenpresse, welche die Probleme der Arbeiterinnen erstmals in den Mittelpunkt stellte und den Frauen in der ArbeiterInnenbewegung eine eigene Stimme gab. Clara Zetkin war es auch, die 1907 an der Spitze der Ersten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz stand. Zum ersten Mal trafen sich Sozialistinnen aus sämtlichen europäischen Ländern und den USA, um Grundsätze für die politische Arbeit und im speziellen für den Kampf um das Frauenwahlrecht zu diskutieren. Die Zweite Frauenkonferenz in Kopenhagen 3 Jahre später war die…
Geburtsstunde des Internationalen Frauentages
Auf der Frauenkonferenz 1910 wurde der Antrag eingebracht, "als einheitliche internationale Aktion, einen Frauentag abzuhalten. Dieser Tag soll "in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dienen". Dabei soll diese Forderung "in ihrem Zusammenhang mit der ganzen Frauenfrage der sozialistischen Auffassung gemäss beleuchtet werden."
Nicht zufällig gehörten neben den deutschen Sozialistinnen um Zetkin vor allem die Genossinnen aus den USA, allen voran May Wood-Simons, zu den treibenden Kräften auf dieser Konferenz. In den USA führten Arbeiterinnen seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder erbitterte Arbeitskämpfe. 1845 war in der Textilstadt Lowell die erste Frauengewerkschaft gegründet worden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts demonstrierten Arbeiterinnen immer wieder für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und das Frauenwahlrecht. Am 28. März 1909 fand nach Beschluss der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) der erste nationale Frauentag in den USA statt, an dem im ganzen Land Demonstrationen für das Frauenwahlrecht stattfanden. Dabei betonten die Sozialistinnen, dass die Erringung des Wahrechtes nur als Weg betrachtet wird, der auf die Erreichung höherer Ziele gerichtet ist. Dem rechten Flügel war der Frauentag ein Dorn im Auge, weil er eine Form des ausserparlamentarischen Kampfes und der direkten Aktion darstellte.
Kampf um das Wahlrecht
Der Kampf um das demokratische Wahlrecht und die politische Gleichberechtigung stand im Mittelpunkt der Arbeit der frühen proletarischen Frauenbewegung. Während die Reformistinnen darin aber ein Instrument zur Beeinflussung der staatlichen Politik sahen, vertraten die Linken um Zetkin die Position, dass dies nur ein Schritt zur Stärkung der gesamten ArbeiterInnenbewegung im Kampf für eine sozialistische Gesellschaft sein könne.
Für die männlich dominierte Sozialdemokratie war das Frauenwahlrecht aber nur Kleingeld, das man gegen andere Reformen eintauschen konnte. De Forderung nach dem Frauenwahlrecht wurde zurück gestellt und man begnügte sich mit dem allgemeinen und demokratischen Wahlrecht für Männer, was von Zetkin & Co. zu Recht als Skandal gewertet wurde.
19. März 1911: Der erste internationale Frauentag
In ganz Europa und den USA fand am oder um den 19. März 1911 der erste internationale Frauentag statt. Obwohl die Männer nicht mit Spott sparten, wurde er wirklich zu einem Tag der Frauen, und seine Durchführung setzte nicht nur die Gegner, sondern auch die Männer in den eigenen Reihen in Erstaunen. Auch in den grossen Provinzorten und in den kleinsten Dörfern traten die Frauen an diesem Tag aus ihrer bisherigen Zurückhaltung heraus. Der Tag wurde international zu einer machtvollen Demonstration für die Gleichberechtigung der Frau. Neben der Forderung nach dem Wahlrecht kämpften die Frauen an diesem Tag auch für den 8-Stunden-Tag, gleichen Lohn und Mutterschutz. Doch die Frauen nutzten den Tag nicht nur, um für ihre Rechte aufzutreten, sondern sie präsentierten sich als Teil der ArbeiterInnenbewegung.
Krieg und Revolution
Das Anliegen der Zeit war es, den bereits in der Luft hängenden Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verhindern. Gegen den Willen der reformistischen Führungen der sozialdemokratischen Parteien trugen die Frauen Transparente mit antimilitaristischen Losungen bei der Demonstration mit. Auch in den folgenden Jahren stand der Frauentag ganz im Zeichen des Antimilitarismus und der internationalen Solidarität der ArbeiterInnen. 1914 bot der Prozess gegen Rosa Luxemburg, die wegen antimilitaristischer Äusserungen vor Gericht stand, Anlass zu Protestaktionen gegen den Krieg.
Wenngleich der Frauentag aufgrund der Repressionen während der Kriegsjahre an Einheitlichkeit und Umfang verlor, so wurde er durch die Russische Revolution gestärkt und errang sich wie der 1. Mai einen festen Platz in den Kämpfen der ArbeiterInenbewegung. Seit 1922 wird der Frauentag in allen Ländern einheitlich am 8. März begangen. Das Datum wurde von der II. Internationalen Konferenz der Kommunistinnen 1921 in Moskau gewählt, da die Massendemonstrationen der Petrograder Arbeiterinnen anlässlich des Frauentages 1917 am 8. März den Startschuss für die russische Februarrevolution gaben.
In den vergangenen 97 Jahren erkämpften die Frauen zwar einiges, allen voran das Wahlrecht. Ein tatsächliches Ende der Frauenunterdrückung wird aber erst mit der Emanzipation der Menschheit im Sozialismus möglich sein. Solange es Frauenunterdrückung gibt, wird der 8. März ein Kampftag unserer Bewegung bleiben.
Deshalb: Heraus zum 8. März!
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